Sprung in die Zukunft

Dezember 2020 | Wirtschaftswoche | Der starke Mittelstand

Sprung in die Zukunft

Bühne frei für Weiterdenker und Vorwärtsmacher!

Illustrationen: Jasmin Mietaschk
Anne M. Schüller / Redaktion

Überall auf der Welt definieren Visionäre gerade das Mögliche neu. Vor allem die digitalen Innovateure sind wie auf Speed. Sie vernetzen Technologien miteinander und kombinieren sie völlig neu. So kann es fortan quasi jedes Jahr zu einem Gutenberg-Moment kommen – dem sprunghaften Markteintritt einer disruptiven Idee, die die Menschheit neu handeln lässt und hierdurch die ganze Welt ein Stück weit verändert. Wer da nicht mitagiert, wird weginnoviert. Und wer zunächst zögerlich abwarten will, wie sich das Ganze entwickelt, wird nicht schnell genug sein, um den Vorsprung anderer einzuholen.

 

Ausgabefreudige Kunden folgen der Faszination innovativer Technologien. Genügend Menschen werden es kaum abwarten können, jede Neuerung auszuprobieren, die sie erfolgreicher macht und/oder ihnen ein besseres Leben verheißt. Aus den positiven Erfahrungen solcher Early Adopter, Vorreiter und Pioniere erwachsen dann neue Anforderungen an alle Player im Markt. So wird das Neue zu einem unverzichtbaren Teil unseres Lebens. Fortschritt lässt sich nicht am Fortschreiten hindern. Was menschenmöglich ist, erweitern, optimieren, innovieren wir, seit es uns gibt.

 

Neuerungen können aber nur dort gelingen, wo es die passenden organisationalen Strukturen und Mindsets gibt. Kein Unternehmen wird Innovationssprünge erreichen, wenn es seine Mitarbeiter dafür belohnt, ihre Arbeit „at target, on budget, in time“ zu tun, also Punktlandungen auf vorgegebene Ziele zu machen. Im Neuland gibt es keine Erfolgsgarantien. Märkte, die noch nicht existieren, können nicht analysiert, höchstens hoffnungsvoll vorgedacht werden. Ein Alptraum für den klassischen Manager. Der will keine Abenteuer, sondern exakte Zahlen und einen fixen Plan, sozusagen eine Vollkaskoversicherung für neue Ideen. Das zwingt alle im Unternehmen zu Kleinmut und Konformismus.

 

Wer Innovationen schaffen will, die die Menschen tatsächlich in ihr Leben lassen, braucht eine Ausprobier- und Experimentierkultur, die das Neudenken und Andersmachendürfen für alle Beschäftigten zu einer Selbstverständlichkeit macht. Die Zukunft der Unternehmen liegt in den Händen unkonventioneller Ideengeber, die mit frischem, wildem, kühnem Tun Umbrüche wagen. Solche Vorwärts-, Quer- und Weiterdenker sind für jeden Arbeitgeber ein Glücksfall. Sie ehren das Gute und plädieren zugleich für das bessere Neue.

 

Sie sprühen vor Ideen, wie man das, was in die Jahre gekommen ist, besser machen könnte, sollte und müsste, weil ihre Firma ihnen wirklich am Herzen liegt. In Vorreiter-Unternehmen, also denjenigen, die gut unterwegs sind, sind sie tatsächlich hochwillkommen. Dort hingegen, wo echte, wahre, kreative Quer- und Andersdenker nicht aktiv werden dürfen, verstärken sich die Beharrungstendenzen – und damit droht der schnelle Weg ins Aus. Würden sich die Unternehmen mehr für kluge Querdenkende öffnen und eine konstruktive Querdenkerkultur etablieren, täten sie sich mit dem Sprung in die Zukunft unglaublich leicht.