Innovation und Kooperation

Dezember 2020 | Wirtschaftswoche | Der starke Mittelstand

Innovation und Kooperation

Venjakob entwickelt individuelle Oberflächenanlagen und Automatisierungstechniken. Zweimal schon landete es in den Top 100 der innovativsten Mittelständler.

Christian Nüßer – Geschäftsführender Gesellschafter der Venjakob Maschinenbau GmbH & Co. KG
Venjakob Maschinenbau GmbH & Co. KG / Anzeige

Herr Nüßer, vor welchen Herausforderungen steht der Mittelstand beim Thema Innovation?

Auch der Mittelstand ist von Megatrends wie der Digitalisierung, Globalisierung oder Customized Massproduction betroffen. Doch gerade kleineren Unternehmen fällt es nicht leicht, mit dieser teilweise rasanten Entwicklung Schritt zu halten. Sie verfügen nicht über dieselben Ressourcen wie große Konzerne. Deshalb wird es immer bedeutender, dass sich Unternehmen miteinander vernetzen, sowohl Anbieter untereinander als auch Kunden und Lieferanten. Gemeinsam entwickeln sie bedarfsgerechte, lösungsorientierte und rentable technische Lösungen, indem sie sich mit ihren unterschiedlichen Kompetenzen ergänzen.

 

Hohes Innovationspotential sehen wir durch die Zusammenarbeit mit lokalen und globalen Startups. Allgemein gilt: Der Mittelstand braucht Möglichkeiten, sich mehr mit den Innovationspotentialen aus den zukünftigen Megatrends auseinanderzusetzen. Hierzu braucht es Raum, Kontaktmöglichkeiten und Risikokapital.

 

Was tun Sie konkret für Ihre Kunden?

Venjakob entwickelt seit jeher vorwiegend maßgeschneiderte Konzepte und einmalige Sonderlösungen. Für einen Hersteller von Pipelinerohren etwa haben wir eine kompakte und flexible Lackier-, Markier- und Signieranlage für Rohrmuffen entwickelt. Die Rohrmuffen dienen dem Eigenbedarf, werden aber auch weiterverkauft. Das erfordert eine hohe Flexibilität der Lackierlinie. Die Werkstückträger müssen verschiedene Größen von Muffen aufnehmen können. Zudem ist es für das automatisierte Markierungs- und Signaturverfahren notwendig, unterschiedliche Normvorgaben und die Möglichkeit der Individualisierung zu berücksichtigen.

 

Das Lackieren von Fenstern ist im klassischen Verfahren ein zeitaufwendiger Prozess. Venjakob hat für eine norwegische Firma ein Anlagenkonzept entwickelt, das es erlaubt, den Beschichtungsprozess ohne Kompromisse bei der Qualität rigoros abzukürzen. Ein Kernstück sind RFID-Chips an den Fenstereinzelteilen, die das jeweilige Programm der vollautomatischen Beschichtungslinie automatisch steuern.

 

So entstehen komplexe, vernetzte Produktionsstraßen. Innovative Plattformen, die Maschinen von verschiedenen Herstellern verbinden, ermöglichen dabei viel mehr als die reine Anlagensteuerung. So bieten sie über Dashboards auch Analyse- und Servicetools. Viele Technologieplattformen in diesem Bereich sind cloudbasiert. Das sehen einige Kunden noch kritisch. Mit VEN PROFIT haben wir deswegen ein eigenes Datenanalysetool entwickelt, das sowohl cloudbasiert als auch autark operiert.

 

Wie gehen Sie mit den aktuellen Herausforderungen in der Zukunft um?

Aktuell binden wir unsere Kunden und Interessenten aktiv in die Weiterentwicklung von noch bedarfsgerechteren Roboter-Lackier-Konzepten ein. Dafür bieten wir regelmäßige offene Workshops in unserem Innovationszentrum oder remote an.

 

Venjakob betreibt hohe zielgerichtete Investitionen in Forschung und Entwicklung. Dafür wurden wir zweimal zu den Top 100 der innovativsten Unternehmen im Mittelstand gekürt. Ein Herzensprojekt ist derzeit der Aufbau unseres Neuland-Campus. Er verknüpft Menschen und Unternehmen. Wichtig ist uns der richtige Mix aus ortsansässigen Bestandsunternehmen, die sich und ihre Mitarbeiter weiterentwickeln wollen und Profis, die dabei aktiv unterstützen können. Die Präsenz von Bestandsunternehmen, Kreativen, Freiberuflern, Wirtschaftsförderern und Hochschulen führt zu neuen Produkten und Dienstleistungen.

 

www.venjakob.de