»Wo nichts gewagt wird, hat man schon verloren«

Oktober 2019 | Handelsblatt | Zukunft Deutschland

»Wo nichts gewagt wird, hat man schon verloren«

Dr. Engelbert Wimmer hat ein Buch über die Zukunft der Automobilindustrie geschrieben, das mit etwas Fiktion ein doch realistisches Bild zeichnet.

Dr. Engelbert Wimmer ist Autor und CEO der e&Co. AG | Entrepreneurs & Consultants
E&CO. AG / Unternehmensbeitrag

Herr Dr. Wimmer, Ihr Buch „The In.Car.Nation Code“ beschreibt den Weg der Automobilindustrie in eine digitale Zukunft. Die Geschichte hat alles, was moderne Fiktion verlangt. Wie viel Wahrheit steckt dahinter?
Die handelnden Personen und ihre Erlebnisse sind fiktiv. Alle Szenen zeigen aber sehr realitätsnah, wie sich die Arbeit in großen Konzernen anfühlen kann. So wird erlebbar, wie groß der Unterschied zwischen einfachen Lösungen auf einem Blatt Papier und der tatsächlichen Umsetzung ist. Zentrales Thema des Buches ist die Digitalisierung – und die hat vor allem mit Vernetzung zu tun. Meine Intention war es, die zahlreichen Stränge durch eingängiges Storytelling zu entwirren und verständlich zu machen.   

 

Ist Ihr Buch die Blaupause, die die Automobilindustrie so dringend benötigt?
Den Begriff der Blaupause für mein Buch zu verwenden wäre wohl vermessen. Die Diskussionen seit dem Erscheinen stimmen mich aber froh, damit einen relevanten Beitrag bei der Suche nach einer Zukunft für diese wichtige Industrie geleistet zu haben. Ich glaube übrigens ohnehin nicht an eine Blaupause, sondern an viele und regional sehr unterschiedliche Wege, über die wir uns in eine Mobilität der Zukunft vorantasten müssen.

 

Kritiker schreiben das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bereits ab. Zu Recht oder gilt die alte Weisheit, dass Totgesagte länger leben?
Es gibt aus meiner Sicht in der Auto-industrie durchaus Grund für Optimismus, auch wenn das gerade nicht uneingeschränkt gesellschaftsfähig ist. Alleine in den nächsten 25 Jahren wird sich der globale Fahrzeugpark noch einmal etwa verdoppeln. Das sollten wir nicht unreflektiert kaputt reden, nachdem wir im letzten Jahrzehnt bereits eine ganze Reihe von Nahtoderfahrungen im Bankensektor, bei den Energieriesen und wichtigen Teilen der Chemie- und Pharmaindustrie erlebt haben. Aus volkswirtschaftlicher Sicht müssen wir uns eher fragen, wie viel von der aktuell grassierenden Lust am Untergang wir uns leisten können.

 

Wandel braucht Führung. Ist die aktuelle Riege der Automobilmanager dazu im Stande?
Das sehe ich in der Tat differenziert. Es gibt überall noch die alten Hierarchen, die dem Bild des Generals auf dem Feldherrenhügel huldigen. Zunehmend sehe ich aber auch den Versuch, sich in agilen Organisationsformen zu üben und frischen Wind hereinzulassen. Wir werden gemeinsam Zeugen einer großen Veränderung sein – auch wenn es noch einige Jahre dauern wird, bis sich ein moderneres Führungsverständnis großflächig durchgesetzt hat.  

 

 

Was sind die drei größten Stolpersteine für die Automobilindustrie auf ihrem Weg in die Zukunft?
Erstens: Das Festhalten an Strukturen, die uns einmal erfolgreich gemacht haben. Wer nicht experimentiert, verliert. Zweitens: Den Menschen eine Scheinsicherheit vorzugaukeln und von ihnen den Anpassungs- und Lerndruck künstlich fernzuhalten. Wer nicht lernt, verliert. Und drittens: Ein Klima der Verhinderung und der Angst zu kreieren, in dem jede Form der Gestaltung im Keim erstickt wird. Wo nichts gewagt wird, hat man schon verloren.   

 

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